Overblog
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
27. Juli 2014 7 27 /07 /Juli /2014 12:09
"Ein Handy ist keine Gucci-Tasche"
Von Thomas H. Wendel

BARCELONA. Die Mobilfunkindustrie sieht sich als Schrittmacher für die wirtschaftliche Entwicklung der Dritten Welt. "Wenn die Zahl der Handynutzer in einem Land um zehn Prozent steigt, dann bedeutet das 0,6 Prozent mehr Wirtschaftswachstum", sagte der Chef der globalen Mobilfunk-Vereinigung GSM-Association, Rob Conway, in Barcelona. In der Hauptstadt Kataloniens findet noch bis heute die weltweit wichtigste Kongressmesse der Handy-Branche, 3GSM, statt, zu der insgesamt rund 50 000 Fachbesucher erwartet werden. Conway kritisierte die Regierungen vieler Entwicklungsländer. Sie verteuerten Mobiltelefone künstlich mit teilweise abschreckend hohen Luxussteuern. "Ein Handy ist keine Gucci-Tasche", sagte der Chef der Mobilfunkvereinigung. In vielen Ländern müssten die zumeist armen Handy-Nutzer mehr als 20 Prozent ihrer Telefonrechnung nur für Steuern aufwenden. Preiswerte Modelle Conway lobte in diesem Zusammenhang die Regierungen von Bangladesh und der Türkei, wo inzwischen ein Umdenken bei der Handy-Besteuerung eingesetzt habe. Die Mobilfunkindustrie selber sieht Conway allerdings auf dem richtigen Weg: Von den insgesamt rund 825 Millionen Handys, die weltweit 2005 über die Ladentische gingen, sei bereits ein großer Teil auf Kunden in der dritten Welt entfallen. Grund seien verstärkte Bemühungen der Mobiltelefonhersteller gewesen, preiswerte Modelle auf den Markt zu bringen. So sei es im vergangenen Jahr dem weltweit zweitgrößten Handyhersteller Motorola gelungen, erstmals ein Mobiltelefon für einen Verkaufspreis von 30 Dollar (25 Euro) anzubieten. Zehn Millionen dieser Billigtelefone seien 2005 verkauft worden. Damit, so Conway, hätten diese Einfachst-Geräte bereits rund zwei Prozent der Gesamtverkaufs ausgemacht. Die Computerchip-Hersteller Texas Instrument, Infineon und Philips würden voraussichtlich schon in diesem Jahr erstmals Prozessoren für Handys zu einem Großhandelspreis von fünf Dollar anbieten. "Damit wird es künftige Mobiltelefone schon für einen Preis von 15 Dollar geben", prophezeite Conway. Boom in China Welche Dynamik auf den Mobilfunkmärkten in Schwellen- und Entwicklungsländern herrschen kann, zeigte in Barcelona der Chef von China Mobile, Wang Jianzhou. Mit rund 250 Millionen Kunden ist der chinesische Handynetzbetreiber nach Zahl der Nutzer längst der größte Anbieter weltweit. "Jeden Monat gewinnen wir drei Millionen neue Kunden", sagte Wang. Die Chinesen würden inzwischen auch viele Datendienste nachfragen. 20 Prozent des Umsatzes erziele China Mobile inzwischen im Datengeschäft. Allein am chinesischen Neujahrstag, so Wang, seien über das Netz des Unternehmens 2,7 Milliarden Kurznachrichten (SMS) verschickt worden. Wang rechnet damit, dass der Datenanteil am Umsatz weiter steigen werde. Zur Olympiade in Peking 2008 werde in China wohl auch ein UMTS-Netz auf Sendung sein, kündigte der China-Mobile-Chef an.


Diesen Post teilen
Repost0
Published by Alamgirkingpin